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... in eigener Sache

Zwei Veränderungen im fünfköpfigen Vorstand des Sächsischen Literaturrates e.V.
Der Verleger Andreas Heidtmann bleibt Vorsitzender des sächsischen Landesdachverbandes für Literatur

Am 15. November wählten die Mitglieder des Sächsischen Literaturrates e.V. auf ihrer jährlichen Versammlung im Leipziger Haus des Buches für zwei Jahre einen neuen Vorstand. An der Spitze des ehrenamtlich arbeitenden Vorstandes bleibt der seit 2015 als Vorsitzender arbeitende poetenladen-Verleger, Herausgeber und Autor Andreas Heidtmann. Ihm zur Seite stehen weiterhin der Verleger und Vorsitzende der Elke und Thomas Loest Stiftung Thomas Loest sowie Jörg Schieke, freier Autor, Journalist und Redakteur bei MDR-Figaro.
Zwei Veränderungen wird es fortan geben: Nach 12-jähriger Tätigkeit verabschiedete sich die Leiterin der Stadtbibliothek Lichtenstein/Sachsen Katrin Hisslinger sowie nach zweijähriger Mitarbeit die LVZ-Literaturredakteurin Janina Fleischer. Für die beiden Frauen sind neu hinzugekommen: die mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnete sorbische Schriftstellerin, Übersetzerin und Herausgeberin Róža Domašcyna (Bautzen) und die Schriftstellerin und Literaturagentin Christine Koschmieder (Leipzig).

 

Rainer Klis (1955-2017)

„Meine Spur im Sand, wenn es sie einmal gab, existierte nicht mehr.“
(Rainer Klis „Das Haus. Beitrag zum Schreibwettbewerb ‚Lied aus!‘“)

Er vereinte auf wunderbare Weise das Vielfältige und das nur scheinbar Gegensätzliche wie Lebenswitz und Melancholie, Scharfsinn und Leichtigkeit – am 21. Oktober verstarb der Schriftsteller Rainer Klis plötzlich im Alter von 62 Jahren.

Geboren in Karl-Marx-Stadt, studierte er, der Wehrdienstverweigerer, der auch aus der FDJ ausgetreten war, am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig und arbeitete danach ab 1982 als freiberuflicher Schriftsteller. Nach ‘89 rettete er gleich fünf Buchhandlungen; geblieben war am Ende in Hohenstein-Ernstthal, wo er bis zu seinem Tod lebte, die Klis’sche Buchhandlung, in der es Gutes für Kopf und Seele gab: Bücher, Whisky, Zigarren. Ab 1996 reiste er, u.a. nach Lappland, in die Kalahari sowie in die Indianerreservationen und Wildnisgebiete der USA und Kanadas.

Zu sagen wäre viel über ihn, aber am besten liest man sie – die Klis‘schen Geschichten und Miniaturen wie „Wodka mit Salz“, "Alternative. Psalm in großer Bedrängnis" oder „Bringt der Wegfall von Arbeit eine neue Mobilität? Diskussionsbeitrag an der Akademie“, seine Reisebücher und seine wenigen Romane wie „Nacht der Kavaliere“, 2003 bei Faber & Faber erschienen.

 

... über unsere Ehrenmitglieder

Kito Lorenc (1938-2017)

„VOREILIG. Ich plane plane, inzwischen schafft Körper der falsche
Kumpel Tatsachen. Schnell schreibe ich, ihn abzulenken, Nachrufe.“
(Kito Lorenc „Windei in der Wasserhose des Eisheiligen“)
 

Am 24. September verstarb Kito Lorenc an den Folgen eines Schlaganfalls. Geboren 1938 in Schleife/Siepo galt er als einer der bedeutendsten sorbischen Lyriker und Dramatiker der Gegenwart. In seinem literarischen Werk, das er teils auf Deutsch, teils auf Sorbisch verfasste, beschäftigte er sich wiederholt mit dem Heimatverlust der Sorben durch den Braunkohleabbau. Auch kritisierte er den Verlust sorbischer Identität nach 1990. Kito Lorenc war Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und der Sächsischen Akademie der Künste und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, etwa mit dem Heinrich-Mann-Preis (1991), dem Lessing-Preis des Freistaates Sachsen (2009) und dem Christian-Wagner-Preis (2016).

Sein letzter Gedichtband „Windei in der Wasserhose des Eisheiligen“ erschien 2015 im poetenladen Verlag und vereint Gedichte und „Schmungk“, aphoristische Gebilde aus teils vorgefundenem Wortmaterial.

Mit Kito Lorenc verliert der Sächsische Literaturrat ein Ehrenmitglied. Für das nächste „angezettelt“-Heft war ein Porträt anlässlich seines 80. Geburtstags geplant. Es wird nun stattdessen ein Nachruf erscheinen.

Peter Härtling (1933-2017)

„Meine Schritte werden kürzer / und die Entfernungen von Wort zu Wort größer. / (...)“
(Peter Härtling „Zusammenhänge“)

Am 10. Juli verstarb Peter Härtling in Mörfelden-Walldorf im Alter von 83 Jahren. Der am 13. November 1933 in Chemnitz geborene Schriftsteller wurde für sein umfangreiches und vielfältiges Schaffen mit zahlreichen Preisen geehrt, so u.a. 2000 mit dem Eichendorff-Literaturpreis, 2003 für sein Gesamtwerk mit dem Deutschen Bücherpreis sowie zuletzt 2015 mit dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis.

Der Sächsische Literaturrat e.V. trauert um sein Ehrenmitglied und damit um einen der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Gegenwart.
Verbunden damit möchten wir Peter Härtlings letzten Gedichtband „Versuchte Ewigkeit. Gedichte 2008–2016“ (Radius-Verlag, 2016) empfehlen. Der Band vereint 59 Gedichte, von denen bislang vier erschienen sind. Gegliedert ist er in drei Abschnitte: „Jahreszeiten“, „Ich und ich“, „Widmungen“. Vom Altern ist die Rede, von Melancholie, Wehmut, Abschieden, Trauer, Tod, aber auch von der geliebten Gärtnerin und einem „Rest von Gluck“. Und immer wieder Erinnerungen an den „Hunger von früher“, an Flucht und Vertreibung, Gewalt, Gräber und Böhmen.

... allgemeiner Art

Künstlersozialversicherung (KSK)
Der Abgabesatz zur KSK beträgt 2017 4,8 Prozent.

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